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Bestimmt hast du schon mal gelesen oder gehört, dass du beim Singen in den Bauch atmen sollst. Wie genau das geht, erkläre und zeige ich dir in diesem Videobeitrag.

Eine Grundlage beim Singen ist die richtige Atmung. So grundlegend, dass du wohl kaum einen gut klingenden Ton singen kannst, ohne richtig eingeatmet zu haben. Gleichzeitig ist es das, was am häufigsten vernachlässigt wird. Oft wird sie unterschätzt – und noch öfter – falsch verstanden.

Eins vorweg: In den Bauch atmen ist nichts anderes, als tief zu atmen. Die Luft dehnt sich nur tiefer in der Lunge aus und schiebt so die Organe nach unten. Der Bauch geht raus. Was dann so aussieht, als würde man in den Bauch atmen. Ich selbst habe jahrelang geglaubt richtig zu atmen. Dann habe ich mit anderen Gesangslehrern (und auch in der Uni) gemerkt, dass ich es bis dahin tatsächlich noch falsch gemacht hatte. In diesem Artikel möchte ich dir die Einatmung so erklären, dass du diesen Umweg nicht gehen musst. Und ein solides Fundament für eine gute Gesangstechnik legst. Mit einer ökonomischen Atmung klingst du beim Singen richtig gut und vor allem kraftvoll.

Es ist Wahnsinn, welchen Unterschied es machen kann!

Diese Form der Atmung ist die Tiefatmung bzw. kombinierte Zwerchfell-Rippenatmung . Bei der Hochatmung hingegen nutzen wir nur einen kleinen Teil unserer Lungenkapazität – wir atmen dann “flach”.

 

Hochatmung vs. Tiefatmung

Wenn wir beim Singen flach atmen, dringt kaum Luft in die tieferen Bereiche der Lunge vor. Wir haben keine ausreichende Luftversorgung für einen guten und stabilen Stimmklang. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie eine gute Gesangsatmung aussieht und wie wir sie erreichen können. Da wir unser ganzes Leben lang unbewusst atmen, ist die Umgewöhnung anfangs schwer. Wir greifen schließlich in einen für den Alltag funktionierenden Atemmechanismus ein.

Ich zeige dir, wie du prüfen kannst, wie du aktuell atmest und wie du zur ökonomischen Tiefatmung kommst.

 

In 3 Schritten zur Tiefatmung

 

1. Schritt: Offene Körperhaltung

Die Voraussetzung für die Tiefatmung ist eine offene Körperhaltung. Deine Wirbelsäule sollte möglichst gerade sein. Wenn du ein Hohlkreuz hast, versuche folgendes. Stell dich an eine Wand und berühre sie mit deinem ganzen Rücken. Achte darauf, dass auch die Mitte deiner Wirbelsäule vollständig angelehnt ist. Es hilft, wenn du mit deinen Füßen mindestens einen Fuß lang von der Wand weg stehst. Versuch diese Haltung beizubehalten und entferne dich langsam von der Wand.

Auch wenn sich diese Haltung anfangs verkrampft oder starr anfühlen mag – mit der Zeit wird es besser werden. Achte außerdem darauf, dass deine Schultern seitlich entspannt hängen und gerade sind. Dies öffnet deinen Brustkorb, um Platz für die Ausdehnung deiner Lungenflügel zu schaffen und deinen Atemprozess zu befreien. Dein Nacken sollte gerade sein.

Wenn du einen Spiegel hast, kannst du dich leicht überprüfen.

Um etwas mehr Flexibilität und Entspannung in diese Haltung zu bekommen, kannst du dir vorstellen eine Marionette oder Puppe zu sein, die an einem Faden am Kopf hängt. Der Kopf wird ganz gerade gehalten und hängt an diesem Faden, wodurch deine gesamte Figur gerade gezogen wird. Diese Körperhaltung ermöglicht einen freien Atemfluss und eine einfache Tiefatmung.

2. Schritt: Atmung beobachten

Beobachte jetzt deinen Atem. Wenn du einen Spiegel hast, kannst du dies direkt sehen. Leg ansonsten eine Hand auf deine Brust und die andere auf deinen Bauch und schau, wo die Luft hingeht. Vielleicht merkst du das aber auch so, in dem du erfühlst, wo die Luft hingeht. Achte darauf, wie groß die Anstrengung ist, mit der die Luft in deinem Körper umherwandert. Vielleicht geht sie vorrangig in die Bauchregion, vielleicht verteilt in Bauch- und Brustregion oder hauptsächlich in die Brustregion?

3. Schritt: Probiere in den Bauch zu atmen – ggfs. im Liegen

Jetzt, wo du weißt, wo die Luft in deinem Körper hingeht, versuche in den Bauch zu atmen.

Falls du im Stehen nicht vollständig zur Tiefatmung kommst, probier Folgendes: Lege dich auf den Boden (auf einen Teppich oder eine Matte). Winkle die Beine etwas an und setze deine Füße bequem auf den Boden. Achte darauf, dass du kein Hohlkreuz hast und justier ggfs. etwas nach. Lege deinen Kopf entspannt ab und atme tief ein.

Wo merkst du den Atem?

Kommst du jetzt tiefer in die Bauchregion?

Gegebenenfalls kannst du auch ein nicht zu schweres Buch auf deinen Bauch legen. So kannst du auch visuell die Bewegung deines Bauches verdeutlichen und auch besser fühlen. Diese sehr einfache Übung ist unheimlich effektiv, da hier fast die komplette Muskulatur entspannt ist und wir uns auf die Atemfunktion konzentrieren können. Im Stehen können Muskel An- und Verspannungen einer richtigen Atemtechnik im Weg stehen. Wenn es im Liegen geklappt hat, merke dir das Gefühl.

Probiere dieses Gefühl auch im Stehen zu erreichen. Stehe gerade, aber entspanne deinen Bauch, um die Luft ungehindert in die Tiefe strömen zu lassen. Mach deine Augen zu und konzentriere dich in deine Bauchregion. Atme entspannt ganz tief ein, als würdest du einen Ballon in deinem Bauch füllen wollen.

Die Luft geht natürlich in jedem Fall “nur” in deine Lunge. Bei jedem Atemvorgang können jedoch die Muskelpartien für die Atmung unterschiedlich stark aktiviert werden: die Zwerchfell- (Buachregion) und die Zwischenrippenmuskulatur (Brustregion). Je nachdem wo dein Schwerpunkt beim Atemvorgang liegt, wird hauptsächlich nur eine davon oder aber beide aktiviert. Atmest du ökonomisch (also tief), kontrahiert dein Zwerchfell, wobei dieser Muskel sich verkürzt und zieht sich nach unten. Dadurch wird Luft passiv tief in die Lunge gesaugt. Atmest du eher flach, aktivierst du vorrangig die Zwischenrippenmuskulatur. Diese vergrößert deinen Brustkorb und saugt so die Luft passiv in deinen Brustbereich. Du atmest flach.

 

Häufige Fehler

Anspannung der Bauchmuskeln beim Einatmen:

Achte darauf, dass dein Bauch beim Einatmen nicht angespannt ist. Dadruch verhinderst du, dass dein Zwerchfell sich nach unten ziehen kann.

Geschlossene Körperhaltung:

Liegen deine Schultern nicht gerade und seitlich, ist dein Brustkorb nicht genug geöffnet, um Platz zu schaffen für einen vollen und tiefgehenden Atemzug.

Aktives Hochziehen der Schultern:

Wenn du aus Gewohnheit deine Schultern beim Einatmen hochziehst, kann die Luft gar nicht tief in deine Lungen fließen. In der Werbung wird ein “tiefer” Atemzug oft mit einer Hauruck-Bewegung dargestellt. So nicht! Also Bauch locker, Schultern seitlich und nicht aktiv anheben.

Jetzt bist du dran!

Jetzt, wo du die Tiefatmung hoffentlich verstanden hast, kannst du sie ausprobieren. Und denk’ dran: Wenn du besser singen willst, fängt es bei der Einatmung an. Nutze deine natürliche Tiefatmung, die du auch im Schlaf nutzt. So geht alles viel einfacher.

Wie kamst du mit der Übung klar?

Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Lass uns loslegen.
Tolga