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Vielleicht hast du noch nie in der Kopfstimme gesungen oder weißt gar nicht, wie sie überhaupt klingt.

Vielleicht willst du einfach deine Kopfstimme trainieren und verbessern.

In diesem Artikel zeige ich dir 2 Übungen, wie du genau das schaffst.

Bevor wir loslegen, kurz zur Klärung: Wie viele Stimmen haben wir überhaupt?

Die kurze und logische Antwort ist: Eine.

Für die längere Antwort muss ich etwas ausholen.
Diese eine Stimme hat jedoch zwei Register.
Quasi wie zwei Gänge beim Fahrrad oder beim Auto.

Unser Kehlkopf befindet sich zwischen dem Rachen und der Luftröhre. In ihm befinden sich unsere Stimmlippen. Sie bestehen aus dem Stimmmuskel und dem Stimmband. Oft wird einfach von Stimmbändern gesprochen.

Und egal ob wir in der Bruststimme, der Kopfstimme oder im Falsett singen, der Ton wird durch die Schwingung der selben Stimmbänder erzeugt.

Der Unterschied ist lediglich ob es zu einer Vollschwingung der Stimmbänder (was als „Bruststimme“ bezeichnet wird) oder zu einer Randkantenschwingung (was viele Gesangslehrer als „Kopfstimme“ bezeichnen) kommt.

Obwohl die ursprüngliche Definition der „Kopfstimme“ eigentlich eine andere war und es unterschiedliche Definitionen gibt, benutzen wir für eine besseres Verständnis den Begriff Kopfstimme.
Also die Randkantenschwingung der Stimmbänder, mit der hohe, aber im Vergleich zur Bruststimme relativ dünne Töne erzielt werden (wie Justin Timberlake sie z.B. in den Strophen vom Song „My Love“ einsetzt). Ab hier werde ich deshalb nur noch den Begriff Kopfstimme benutzen.

Wenn wir in der Kopfstimme singen, schwingen die Stimmbänder nur am Rand, sind daher dünn und die Berührung ist sehr fein.
Dadurch können sie sehr schnell schwingen, was für die hohe Schwing-Frequenz der Töne in der Kopfstimme essenziell ist.

Der Ton ist im Vergleich zur Bruststimme eher leiser. Ihre Bezeichnung erhält die Kopfstimme weil die Resonanz des Tones (Vibration) vorwiegend im Kopfbereich liegt.
Das kannst du ausprobieren, wenn du in der Kopfstimme einen Ton singst und an deinen Hinterkopf fasst. Du wirst bestimmt eine leichte Vibration feststellen können. Im Gegensatz dazu steht die Bruststimme, bei der die Hauptresonanz (Gefühl von Vibration) im Brustbereich liegt.

Falls diese unterschiedlichen „Stimmen“ dich verwirren sollten…

Denke in Registern.

Deine Stimmbänder schwingen für dein Bruststimmregister mit ihrer vollen Masse (1. Register).
Und schalten dann für die höheren Töne in das Kopfstimmregister und schwingen nur noch an ihren Kanten (2. Register).

INFO: Es gibt auch Methoden wie Speech-Level-Singing bei der von nur einem Gesangsregister ausgegangen wird und auch Ansätze, in denen unter drei oder sogar mehr Registern unterschieden wird. Meiner Erfahrung nach (und der meiner Schüler) macht die Zwei-Register Theorie am meisten Sinn und ist auch vom Gesangsgefühl her nachvollziehbar. Zudem ist es weniger verwirrend.

Ein hervorragendes Songbeispiel ist „My Love“ von Justin Timberlake. In diesem Song singt Timberlake die Strophen fast ausschließlich im Kopfstimmregister.

Um den Zugang zu deiner Kopfstimme zu finden fangen wir ganz locker an.

Wir beginnen mit folgender Übung:

Übung 1: Tierstimmen nachahmen
Stell dir zunächst erstmal vor, dass dein Kopfstimmregister sehr leicht und schwebend ist. Es ist fast so, als würdest du deinen Mund öffnen und der Kopfstimmklang kommt einfach heraus.

Mach z.B. einfach ein paar Tierlaute nach. Vielleicht ist es dir angenehmer, wenn du dabei alleine bist… oder auch nicht.
Zum Beispiel einen Affenschrei. Und geh noch höher, bis es richtig piepsig wird. Oder eine kleine Katze, die miaut. Du siehst, es gibt gute Gründe für diese Übung alleine sein zu wollen… 😉

Aller Wahrscheinlichkeit nach kommst du dadurch in deine Kopfstimme. Wenns noch nicht geklappt hat, mach das gleich nochmal und versuche es möglichst leise zu machen – aber zunächst ohne Hauch. Später kannst du mit Hauch experimentieren und so in deinen Songs mehr Variation reinbringen.

Und keine Panik, wenn dir deine Kopfstimme nicht gleich gefällt. Ein kleines Warm-Up für deine Stimme hilft, um mehr Stabilität in deinen Stimmklang zu bekommen. Es ist alles Gewöhnungs- und Übungssache. Mit der Zeit wirst du Wege finden, wie du dieses Register mit deinem Bruststimmregister verknüpfst und sinnvoll in Songs einsetzen kannst. Glaub mir, es wird gut.

Wenn du dein Kopfstimmregister gefunden hast, kannst du sie mit den folgenden zwei Übungen trainieren:

Übung 2: Auf „U“ und „I“ singen
Wir singen auf einem Ton den Vokal „U“.
Dann probieren wir es auf dem nächsten höheren Ton in der Tonleiter aus, usw.

Probiere es auch auf dem Vokal „I“.
Versuche dies für den Anfang mit einem sehr klaren und hellen Stimmsound zu erreichen. Im Pop- und RnB-Bereich triffst du oft auf Songs, die genau diesen Sound erfordern.

Falls es dir schwerfällt, dies ohne Hauch auf dem Stimmklang (gehaucht) zu singen, setze ein „N“ davor.
Singe dann also „Nu“ oder entsprechend „Ni“.

Hast du deine Kopfstimme gefunden?
Wie kommst du mit den Übungen zurecht?
Schreib mir bitte in den Kommentaren unten 🙂

Lass uns loslegen,
Tolga