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Wie kann man besser singen?

Du willst jetzt nicht hören, dass du Gesangsunterricht nehmen solltest – das wäre zu offensichtlich.

Du willst so schnell wie möglich besser singen.

Was dich davon abhält, liegt in deinen aktuellen Stimmproblemen.

Es liegt an der Art und Weise, wie du momentan singst. Und wie genau das verhindert, dass du besser singst.

Die Lösung um besser singen zu können

Gleich vorweg: Sie ist nicht jeden Tag Lieder zu singen – das kann im schlimmsten Fall sogar deiner Stimme schaden. Zumindest wenn du mit einer schlechten Technik dich regelmäßig heiser singst. Die Lösung ist keine Fehler zu machen, die deinen Stimmklang und deine Freiheit mit der du singst einschränken. Hier sind die 3 häufigsten Fehler meiner Schüler beim Versuch besser zu singen und wie du sie vermeidest.

Fehler #1 Mit zu viel Nebenluft singen

Wenn du besser singen lernen willst, solltest du zumindest für den Anfang mit möglichst keiner Nebenluft singen.

Mit Nebenluft singst du, wenn du gehaucht singst. Oft singst du gehaucht, wenn du sanft oder besonders gefühlvoll klingen willst.

Viele meiner Schüler hatten auch anfangs schein eine Sprechstimme ohne Nebenluft. Wenn sie ins Singen wechseln, kamen sie dann trotzdem in einen Singmodus, der gehaucht war.

Deine Stimmbänder schließen dann nicht richtig. Die Luft wird durch deine halb offenen Stimmbänder gepresst.

Du verschwendest deine Luft.

Die Schleimhäute auf deinen Stimmbändern trocknen aus, was Heiserkeit fördert. Besonders am Anfang solltest du gehauchtes Singen vermeiden.

Zumindest, so lange eine Stimme kein starkes Fundament einer kräftigen Bruststimme hat.

Einem Stimmklang, als würdest du einem Freund in der Ferne zurufen.

Egal in welchem Stimmmodus du bist, also gehauchte Bruststimme oder einer Stimme ohne Nebenluft: Singen tust du immer mit denselben Stimmbändern. Und zwar die, mit denen du auch sprichst.

Das ist logisch, wird aber häufig nicht konsequent beim Singen berücksichtigt. Singen ist erweitertes Sprechen, was beispielsweise auch der Grundgedanke beim Speech Level Singing vom Amerikaner Seth Riggs ist (Deutsche Übersetzung). Gehaucht – mit Nebenluft – zu singen ist ein Stilmittel, um bestimmte Emotionen rüberzubringen.

Keine Gesangstechnik, die du durchgehend einsetzt.

Nochmal kurz: Gerade am Anfang sollte das Fundament deiner Stimme dein Fokus sein. Dieses Fundament ist eine stabile und kräftige Bruststimme. Gerade wenn du höher singen willst, ist das entscheidend.

Fehler #2 Zu leise singen

Wenn du leise anfängst zu singen und dann höher gehst, brichst du wahrscheinlich unkontrolliert in deine Kopfstimme. In eine dünne, helle, piepsige Stimme.

Wenn du das nicht stilistisch beabsichtigt in einem Song einsetzen willst, solltest du es vermeiden.

Wie das geht?

Mit ansteigender Tonhöhe lauter singen. Nicht Schreien, aber lauter singen.

Gerade wenn du es von zuhause gewohnt bist leise zu reden und – wenn überhaupt – leise zu singen, kann es dir so vorkommen.

Kurz: Laut (genug) singen ist gerade am Anfang wichtig, um deine Stimme zu entdecken und auszubilden. Sonst hältst du deine Stimme zurück. Damit auch deinen natürlichen Klang. So kannst du dein Gesangspotenzial nicht einmal erkennen. Viele meiner Schüler sind überrascht – und schockiert – wenn wir im Unterricht entdecken, was für eine Power eigentlich in ihnen steckt…

Fehler #3 Falscher Atemrhythmus und schlechte Atemtechnik

Atemtechnik ist wichtig, der Atemrhythmus ist jedoch vollkommen unterschätzt. Und es spricht kaum jemand darüber.

Die Atmung ist der Motor deiner Stimme. Wenn du falsch atmest, läuft dein Motor fehlerhaft und du kannst nicht sicher fahren (Stimmprobleme).

Du hast bestimmt schonmal gehört, dass du beim Singen in den Bauch atmen sollst.

Kurz zur Atemtechnik: Dazu gehört neben der Tiefatmung auch das korrekte Ausatmen. Hier kommt die Gesangsstütze (kurz: Stütze) ins Spiel. Das Zurückhalten der Luft gegen die natürliche Tendenz den aufgebauten Luftdruck schnell loswerden zu wollen. Klingt das zu kompliziert?

Die Stütze ist dosiertes Ausatmen.

Wie du sie erreichst?

Achte zunächst erstmal darauf, dass du beim Ansingen nicht zu viel Luft herauslässt, sondern nur einen kleinen Teil, der gerade zum Singen notwendig ist.

Zum Atemrhythmus: Neben dem fehlenden Aufbau der Stütze ist ein falschen Atem-Timing ein Problem, das dich davon abhält, besser zu singen. Dabei atmest du entweder an den falschen Stellen im Song, zu selten oder zu häufig. Wenn du an den falschen Stellen atmest, hast du beim Singen entweder zu viel Luft oder zu wenig Luft und kommst so aus der Puste.

Zwei Tipps hierzu:

1. Drucke dir deinen Songtext aus und markiere, an welchen Stellen du wirklich Luft brauchst und halte dich daran. Studiere den Song so ein, dass du genau weißt wann du atmen musst. So stellst du nicht überrascht fest, dass du Luft brauchst, aber ein Einatmer nicht an der Stelle im Song passt.

2. Wenn es ein Coversong ist, schau dir und hör dir die Originalversion an, wann der Sänger oder die Sängerin selbst einatmet. Dies können Richtwerte für dich sein, wann du einatmen könntest. Wo Einatmer gut hineinpassen. Wenn du durch fehlendes Training etwas mehr Pausen brauchst, ist das ok. Wie gesagt, Richtwerte.

Wenn du zu selten atmest, kommst du aus der Puste. Wenn du zu häufig atmest oder zwischen durch richtig auszuatmen, baut sich der Atemdruck auf.

Eine Etagenatmung entsteht.

Der Druck unter deinem Kehlkopf steigt. Deine Atmung wird höher. Du presst beim Singen und verkrampfst.

Das letzte Problem ist zu viel Luft.

Wenn du beim tiefen Einatmen das Gefühl hast zu viel Luft zu haben, dann versuche nur ein Fingerhütchen voll Luft einzuatmen. Das reicht fast immer aus.

Und es trainiert deinen Körper mit der Luft ökonomisch umzugehen. Auch wenn wir bei vielen Atemübungen viel Luft einatmen, diese sind vorrangig dazu da, das Gefühl zu schulen. Und das Zwerchfell so zu trainieren, dass es mit unterschiedlichen Atemmengen umgehen kann. Und die maximale Lungenkapazität zu erweitern und zu trainieren.

Technikübungen sind das eine, performen und das eigentliche Singen von Songs das andere.

Kurz gesagt: Wenn du singst brauchst du oft nicht so viel Luft, wie du bei Atemübungen trainierst. In meinem nächsten Beitrag (hier nächste Woche) erkläre und zeige ich dir im Detail, wie du die richtige Atemtechnik beim Singen erkennst und erlernst.

Die „Besser Singen“ – Checkliste

Wie kann man nun besser singen?

Am besten kannst du dir dieser Probleme bewusst werden, wenn du dich selbst aufnimmst und dir dann deine Stimme genau anhörst.

Du kannst es aber auch direkt beim Singen probieren.

Prüfe diese 3 Punkte:

1. Singst du gehaucht?

2. Singst du relativ leise im Vergleich zu anderen Sängern, die du als gut empfindest?

3. Hast du Atemprobleme beim Singen (Kurzatmigkeit, Luftmangel, Songs kommen dir zu schnell vor)?

Das sind die Bereiche, die du zunächst analysieren kannst. Und denk dran: Besser singen können ist ein Prozess, kein Ereignis.

Was glaubst du, ist aktuell deine größte Hürde, um besser zu singen?
Schreib mir in den Kommentaren!

Lass uns loslegen,
Tolga

P.S.: Du kannst übrigens auch ohne „klassischen“ Gesangsunterricht besser singen lernen. Es ist nur eine Typfrage, ob es was für dich ist.